Für Margretha, Johanna, Sophia…

Denkmal für das Selbstbestimmungsrecht der Frau am Donauufer, Steinerne Brücke Stadtamhof

September 2025

Am 13. Brückenjoch der Steinernen Brücke in Regensburg fanden bis um 1600 sogenannte Wasserstrafen statt. Dabei wurden vor allem Frauen durch Ertränken hingerichtet. Sie wurden grausam bestraft, weil sie ein Kind nicht austragen konnten oder wollten.  

Heute befinden sich entlang des Donauufers Rettungsstangen, die Menschen vor dem Ertrinken schützen sollen. 

Die Künstlerin Katharina Cibulka schafft eine Verbindung zwischen der mittelalterlichen Strafpraxis und den weltweiten Angriffen auf das Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen. In ihrer übergroßen Skulptur verwandelt sie den rettenden Ring einer Rettungsstange in einen Kleiderbügel – ein Symbol für gefährliche Abbrüche, wenn sichere medizinische Versorgung verwehrt wird und Schwangere in die Illegalität getrieben werden.  

Reproduktive Rechte geraten derzeit weltweit unter Druck. Schützen wir Menschlichkeit, Entscheidungsfreiheit und demokratische Mitsprache! 

 

Redebeitrag von Andrea Diermeier zur Eröffnung des Monuments:

Liebe Anwesende, 
 
heute stehen wir vor einem Denkmal, das uns mahnt. Es erinnert an Margretha, Johanna, Sophia und all die unzähligen Frauen, die im Mittelalter grausam verfolgt und bestraft wurden – weil sie sich gegen die Rolle wehrten, die ihnen zugeschrieben war. Weil sie versucht haben, über ihr eigenes Leben, ihren eigenen Körper zu bestimmen.
 
Dieses Kunstwerk macht sichtbar, was lange unsichtbar war: dass Frauen nicht Täterinnen, sondern Opfer von Gewalt, von Machtmissbrauch und von Strukturen waren, die sie kleinhalten wollten. 
 
Doch dieses Denkmal ist kein Blick in eine ferne Vergangenheit. Es ist ein Spiegel für unsere Gegenwart. Denn noch immer, heute, hier und weltweit, wird Frauen das Recht auf Selbstbestimmung genommen. 
 
Wir sehen es in den USA, wo Frauen gezwungen werden, ungewollte Schwangerschaften auszutragen. Wir sehen es in Polen und Ungarn, wo Frauenrechte massiv eingeschränkt werden. Und wir sehen es auch hier bei uns – in Bayern, in Regensburg. 
 
Hier gibt es nur noch eine einzige Praxis, die Abbrüche durchführt. Medikamentöse Abbrüche sind überhaupt nicht mehr möglich – nicht, weil die Medizin versagt, sondern weil die Politik Mauern errichtet. Und vor dieser einen Praxis stellen sich Abtreibungsgegner*innen auf den Gehweg, mit Bildern, Gebeten und Druck – und niemand, kein Gericht, schützt die Frauen, die in dieser ohnehin schon schweren Situation Respekt und Ruhe brauchen. 
 
Das, liebe Anwesende, ist nichts anderes als die Fortsetzung jener Gewalt, die wir heute beklagen. Gewalt in subtilerer Form, aber mit denselben Folgen: Frauen werden beschämt, eingeschüchtert, bevormundet. 
 
Die Künstlerin Katharina Cibulka hat es eindrücklich gezeigt: Eine Rettungsstange kann Halt geben – oder sie wird zum Symbol der Verzweiflung, wenn sie sich in einen Kleiderbügel mit Stricknadel verwandelt. So ist es mit unseren Gesetzen, mit unserer Politik, mit unserer Gesellschaft. Sie können retten. Oder sie können zerstören. 
 
Dieses Denkmal ruft uns auf: Lasst uns auf der Seite der Rettung stehen. Lasst uns Frauen vertrauen, sie unterstützen, ihre Entscheidungen respektieren. Keine Gängelung, keine Demütigung, keine Angst mehr. 
 
Für Margretha. Für Johanna. Für Sophia. Und für alle Frauen heute.

 

Das Werk ist im donumenta Artist in Residence-Programm entstanden. Eine Gemeinschaft von Unterstützer*innen hat auf Initiative des KunstKnoten e.V. Regensburg die dauerhafte Installation der Skulptur ermöglicht. 

Weitere Informationen: www.donumenta.de 

Stahl, gold lackiert, 18 m lang

 

Fotocredits: Stefan Effenhauser, Rainer Kühne